Der Lebensweg von Viktor Kress

Viktor Melchiorowitsch Kress wurde 1948 im Gebiet Kostroma, in einer Familie der Russlanddeutschen geboren, aber er hält sich für vollberechtigten Sibirier - er ist aufgewachsen und hat die Mittelschulbildung in der Siedlung Jaschkino des Gebiets Kemerovo bekommen, wohin seine Eltern während der stalinistischen Repressalien verbannt wurden. Der Vater und die Mutter erzogen abgesehen von Viktor noch fünf Söhne und eine Tochter. Die Familienerziehung prägte in vielem die Lebenswahl, das Schicksal, die Charaktereigenschaften des zukünftigen Gouverneurs aus.

Viktor war das älteste Kind. Ab 8-9 Jahren, in der unterrichtsfreien Zeit arbeitete er zusammen mit den Eltern im Sowchos. „Ich bin auf lebenslang meinen Eltern sehr dankbar, die es geschafft haben, dass sechs von sieben Kindern die Hochschulausbildung erwarben, obwohl die Eltern selbst kaum lesen und schreiben konnten. Die Familientraditionen spielten eine grosse Rolle in meinem Leben: Ordnung in allem, ständige Arbeit als Gewohnheit" - erinnerte er sich viele Jahre später.

Es war Kress nicht einfach, auf die Universität zu gehen, im Wege stand der „fünfte Paragraph" (die Nationalität). Die Viktors Immatrikulation am Nowosibirsker Agrarinstitut wurde von Verwandten und Landsleuten-Deutschen quasi als eine Ausnahme von der allgemeinen Regel empfunden. Das fühlte er auch später. Ungeachtet dessen machte Kress ziemlich früh seine Karriere. Mit 23 Jahren, nachdem er ins Gebiet Tomsk geschickt wurde, wurde Kress zum Hauptagronomen des stadtnahen Sowchos „Kornilowskij". Als er 26 war, ernannte man ihn zum Direktor des Sowchos „Rodina". Schon damals zeigten sich die Hauptzüge seiner Natur: enorme Leistungfähigkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit.

„Ich konnte einfach nicht vor 10-11 Uhr abends nach Hause gehen. Ich liebedienerte nicht, ich konnte einfach nicht anders. Viel zu lange war die Arbeit vom Hahnenschrei bis zum Eulenruf für meine Familie die einzige Überlebensbedingung" - sagt Kress. Man denkt an ihm und achtet ihn auch heute in Dörfern Kornilowo, Neljubino, Bereskino im Rayon Tomsk, wo er anfing.

Mit 39 Jahren stellte sich Kress an die Spitze des Perwomajskij-Rayons des Gebiets Tomsk, indem er an der Alternativwahl zum Obersekretär des Kreisausschusses teilnahm. Von über 50 Mitgliedern des Kreisausschusses stimmten 46 Mitglieder mit Ja für Kress.

Mit 41 Jahren wurde Kress zum Vorsitzenden des Gebietsrates der Volksabgeordneten - des Prototypes der heutigen Staatsduma, wo an den benachbarten Tischen die alte Sowjetnomenklatur und die Vertreter der neuen Demokratiewelle sassen. „Dies war der Eintritt des einfachenVolkes in die Politik, die ersten Demokratielehren auf dem Tomsker Boden" - bemerkt Viktor Kress.

Als Viktor Kress 43 war, wurde er auf Boris Elzins Präsidentenerlass zum Administrationschef des Gebiets Tomsk ernannt. In dieser Zeit beginnt er mit der Bildung der eigenen Verwaltungsmannschaft, der die Arbeit in neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten bevorstand. „Die Hauptprinzipien, nach denen ich die Leute auswählte, waren Sachkenntnis, Fähigkeit zum Nachkommen von auferlegten Pflichen und menschliche Anständigkeit. Ich war überzeugt davon, dass es den Leuten wichtig ist zu sehen, dass die Macht versucht, von Kundgebungen und Strassenkämpfen wegzugehen und anfängt, stabile Beziehungen zur Gesellschaft mit Rücksicht auf die neue Realität herzustellen" - sagt Kress.

Mit 45 Jahren gewinnt Kress die Wahlen zum Föderationsrat und wird zum Senator vom Gebiet Tomsk. Der Föderationsrat wurde für ihn nicht nur zum Platz für Gebietsinteressenschutz, sondern auch zur guten Schule, in der die Manager der postsowjetischen Epoche die Fertigkeiten in der gesetzgebenden Tätigkeit erlangten. «Ich arbeitete zunächst im Haushaltsausschuss, dann im Ausschuss für Wissenschaft, Bildung, Gesundheitswesen, Ökologie und Kultur. Das war eine Art von Selbstbildung, zumal Wissenschaft und Bildung immer zum Schlüsselbereich für unser Gebiet gehörten. Später ernannte man mich zum stellvertretenden Vorsitzenden und ich war gerade für die Wissenschaft zuständig, darunter auch für akademische" - erinnert sich Viktor Kress.

Die Einwohner des Gebiets Tomsk schenkten Viktor Kress ihr Glauben mehrmals, indem sie für seine Kandidatur bei den Wahlen zum Gouverneur 1995 (mit 53% der Stimmen), 1999 (mit 73 % der Stimmen) und 2003 (mit 70% der Stimmen) stimmten. „Für mich sind die Wahlen immer die schwerigste Herausforderung. Sie sind eine Rechenschaft, eine Prüfung... Aber jedesmal war ich meines Sieges gewiss. Ich fühlte, dass die Menschen mich verstehen mussten, weil ich ehrlich arbeite und tue, was in meinen Kräften steht" - sagt Viktor Kress.

Viktor Kress fand Glauben beim Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin und den Abgeordneten der Staatsduma des Gebiets Tomsk: am 10. März 2007 stimmten 34 Gebietsparlamentarier für die von Wladimir Putin zur Sanktion als Gouverneur vorgeschlagene Kandidatur von Viktor Kress. „Ich bin dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Wladimirowitsch Putin dankbar, dass er nicht nur mir Glauben schenkte, sondern allen Tomskern. Mit allen Einwohnern des Gebiets Tomsk zusammen sind wir berechtigt, auf die staatsoberhauptseitige Anerkennung der Leistungen und Errungenschaften in der Entwicklung des Gebiets Tomsk stolz zu sein" - sagt Kress.

Die Familie nimmt im Leben von Viktor Kress einen besonderen Platz. Sie ist das sichere Hinterland, wo er viele Jahre lang immer geistige und psychologische Unterstützung seiner Tätigkeit findet. Die Ehefrau von Viktor Melchiorowitsch Ljudmila Wasiliewna ist seine Studiengefährtin (sie studierten an derselben Hochschule), sie ist als Hauptwirtschaftlerin in der Preisabteilung im Gebietsausschuss für Statistik tätig.

Die Grundwerte der Kress´s Familie ist eine gute Bildung für die Kinder, ihre Berufe, die den Menschen nützlich sind.